Engadinerschafe - Schafe mit Charakter und "Lampiohre"

Im Kanton Graubünden wurden die Ostalpen seit dem späten Mittelalter von italienischen Schäfern genutzt, deren Schafe (v.a. Bergamaskertypen) sich mit den angestammten Tieren vermischten, worauf sich auch im Engadin ein Schlag entwickelte, der sich besonders an die harten Anforderungen der Berge anpasste.

Schon damals wurden die Schafe als grossrahmige, mischwollige Tiere mit Ramskopf und Hängeohren beschrieben. Ihre widerstandsfähigen Klauen und die Trittsicherheit im Gebirge wurden speziell hervorgehoben. Mit dem Streben nach besserer Mastleistung wurde das Engadiner Schaf (ES) nach der Rassenbereinigung 1938 immer mehr vom Weissen Alpenschaf verdrängt.

Den Anstrengungen der Stiftung Pro Specie Rara (PSR) sowie den Züchtern ist es zu verdanken, dass diese Rasse erhalten werden konnte. Im Rahmen der Rassenerhaltungsprogramme der PSR wurde das fuchsfarbene Engadiner Schaf, welches seiner braunen „Kutte“ wegen auch romanisch „besch da pader“ (Pater-Schaf) genannt wird, gefördert. 1992 wurde der Schweizerische Engadinerschaf-Zuchtverein (SEZ) gegründet, der 1995 auch in den Schweizerischen Schafzuchtverband aufgenommen wurde. Mittlerweile ist der Bestand auf ein so hohes Niveau angewachsen, dass neben der Erhaltungszucht vermehrt auch eine Leistungsselektion gemäss Zuchtziel stattfinden kann.

 
Wollschweine - borstige Kerle mit friedvollem Gemüt

Die borstigen, urtümlich aussehenden Wollschweine gehören zu den Vorfahren unserer Edelschweine. Trotz ihres massigen Körperbaus ist ihr Galopp beeindruckend und ihre Geländegängigkeit macht sie zu idealen Freilandschweinen.

Wurzeln im Balkan

Die eigentliche Heimat des Wollschweins ist Osteuropa, wo es als Mangalitza-Schwein bekannt ist. Im alten Österreich-Ungarn wurde es Mitte des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen Schweinen der Balkanregion gezüchtet. Die vorzügliche Speck-Qualität war bald europaweit bekannt und so zählte das Wollschwein damals auch in der Schweiz zu den beliebtesten Schweinerassen. Doch im Rahmen der Industrialisierung der Nutztierzucht nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Wollschweine im 20. Jahrhundert mehr und mehr von den modernen, viel schnellerwachsenden Mastleistungsrassen verdrängt. In Ungarn selbst wurde das Mangalitza-Schwein noch lange Zeit erfolgreich erhalten, aber mit dem Zusammenbruch des Ostblocks verschwand dort die staatliche Erhaltungszucht und das Wollschweingeriet endgültig in Bedrängnis. Heute gibt es leicht zunehmende Bestände in Osteuropa, Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Robust und widerstandsfähig

In der Schweiz trifft man fast nur das «schwalbenbäuchige» Wollschwein an, dessen Name von seinem hell gefärbten Bauch herrührt. Zwei weitere Farbschläge existieren in Ungarn, Deutschland und Österreich: das rote und das blonde Wollschwein. Borstig sind sie alle und deshalb auch besonders kälteresistent – sie können ganzjährig im Freien gehalten werden. Während für Ferkel moderner Mastschweine Wärmelampen montiert werden müssen, reicht den Wollschweinferkeln das von ihrer Mutter gebaute Nest auch bei kälterer Witterung aus. Überhaupt ist das Wollschwein ein sehr robustesund widerstandsfähiges Tier, das praktisch nie krank ist. Die intelligenten, neugierigen Tiere haben einen gutmütigen Charakter, suchen den Kontakt zum Menschen und lieben es, gekrault zu werden. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn die Moren ihre Ferkel aufziehen, denn nicht alle Schweinemütter dulden dann menschliche Eindringlinge gleichermassen gerne. Ansonsten ist ihre Haltung vergleichsweise unkompliziert. Sie brauchen ausreichend Platz zum Wühlen sowie eine Suhle zum Abkühlen und gegen Parasiten.

Eine Landrasse mit vielen Vorzügen

Ihrem ausgeglichenen Gemüt entsprechend verfügen die Wollschweine über ein stabiles Sozialverhalten. Die Geburten und die Aufzucht der Jungtiere sind problemlos; innerhalb von zwei Jahren bringen sie drei Würfe mit je 5 bis 10 Ferkeln zur Welt. Die Jungtiere zeigen ein regelmässiges, eher langsames Wachstum, was ihrem Fleisch eine besonders gute Qualität mit hohem Wasserhaltevermögen und wenig intramuskulärem Fett verleiht. Es verwundert daher nicht, dass Spitzenköche Loblieder auf das Wollschweinfl eisch singen. Dank ihrer Geländegängigkeit werden sie aber immer mehr auch zur Landschaftspfl ege eingesetzt. So sieht man sie nicht selten in extensiver Freilandhaltung wie z.B. beim Bekämpfen von Brombeerhainen oder in der Pflegevon Feuchtbiotopen.

 
Schweizerhuhn - Das Huhn unserer Grosseltern

Das Schweizerhuhn ist ein sogenanntes Zweinutzungshuhn. Das heisst, es ist nicht einseitig gezüchtet auf eine hohe Eierproduktion oder auf eine schnelle Gewichtszunahme, wie es in Lege- und Mastbetrieben üblich ist.

Wie unsere Engadinerschafe und Wollschweine, wurde auch das Schweizerhuhn in das Erhaltungsprogramm von ProSpecieRara aufgenommen. Mit der Zucht von Schweizerhühnern tragen wir - und indirekt auch Sie - dazu bei, diese alte Rasse und damit die genetische Vielfalt in der Nutztierhaltung zu erhalten.

Die vollständige Umstellung wird noch einige Zeit dauern, da wir die Hühner gestaffelt selber aufziehen - aber schon bald piepsen die diesjährigen Bibeli!

In den Nationalfarben - schneeweisses Gefieder und kräftig roter Kamm - präsentiert sich das Schweizerhuhn als stolze Landrasse. Mit den kompakten, Frostsicheren Rosenkämmen und den kleinen Kehllappen fühlen sich die Tiere in unseren Breitengraden wohl 1991 fand ProSpecieRara nur noch wenige Züchter, welche die alte Schweizer Rasse züchteten. Heute erfreut sich das klassische, stolze «Selbstversorger-Huhn» wieder an steigender Beliebtheit.

Diepholzer Gans - die Aufmerksame

Schneeweiss, mittelgross – die widerstandsfähigen und aufmerksamen Diepholzer Gänse sind ausgezeichnete Brüter und Eltern. Für uns sind es zurzeit eher Haustiere als Nutztiere und in erster Linie dazu bestimmt, als Wächter die Hühner vor dem Milan zu schützen.​

Die Diepholzer Gans stammt aus der Grafschaft Diepholz im Norden Deutschlands, wo sie einst in grossen Herden gehalten wurde. Sie wird seit über hundert Jahren gezüchtet und ist eine der wenigen noch existierenden Landgänserassen. Aufgrund ihrer extensiven Haltung auf Bruchweiden (Wiesenmooren) entwickelte die Diepholzer Gans ihre Widerstandskraft und legendäre Futterdankbarkeit. Ab und zu gesellten sich wild lebende Graugänse zu den Diepholzer Gänsen. Durch solche Paarungen wurde die bereits durch die verschiedenen Futter- und Witterungsverhältnisse entwickelte Robustheit der Diepholzer Gans nochmals gestärkt. 1925 wurde die Diepholzer Gans als Rasse anerkannt. Mit nachlassender Nachfrage nach Schreibfederkielen, Daunenfedern und Gänsefleisch geriet die edle Rasse in Vergessenheit und die grossen Herden verschwanden.